Große Klette (Arctium lappa L.)

Das griechische "Arctos" heißt Bär, lappus rauh. Wem fällt da nicht ein, wie diese hakigen Köpfchen pieksen und kratzen, wenn sie in den Haaren gelandet sind. Doch nicht nur heilende Wirkung gegen die Langeweile bei Kindern besitzt diese Pflanze.

Innerlich angewendet besitzt die Klette harn- und schweißtreibende Wirkung. Da damit eine große Flüssigkeitsaufnahme und Ausstoß an gelösten Stoffen verbunden ist, bezeichnet man sie als Blutreinigungsmittel. Auch blutzuckersenkende und antiskorbutierende Wirkung sind bekannt. Wegen des starken Flüssigkeitsausstausches eignet sie sich zur Beiseitigung von Gallen- und Harnsteinen. Auch bei Lebererkrankungen und Magenbeschwerden wird sie eingesetzt, sie besitzt regulierende Wirkung bei der Gallensekretion. Weiterhin hilft sie bei Rheuma und Gicht.

Die nahe Verwandte A. tomentosum (filzige Klette)

Die Äußerliche Anwendung bezieht sich auf die Haut. Akne, Flechten, Geschwüre und Brandwunden heilen unter ihrer Wirkung erheblich besser und auch Ausschläge, die durch Infektionskrankheiten hervorgerufen werden, können stark verringert werden. Angeblich kann so auch frühzeitiger Haarausfall verhindert werden. Bei Verstauchungen und Verrenkungen gilt das Auftragen der Wurzel als schmerzlindernd.

In der chinesischen Medizin wird Klettenwurzel mit weiteren Kräutern bei rauhem Hals, Mandelentzündungen und Erkältungen verabreicht. In China gilt die Klette als wirksames Aphrodisiakum

Wichtig für die Forschung wird die Klette in den letzten Jahren wieder insbesondere wegen des Inhaltstoffes Actigenin, das aus den Achänen gewonnen wird und antitumorale Wirkung hat. Außerdem hat der Preßsaft oxidierende Wirkung und ist auf diese Weise lindernd bei Vergiftungen einsetzbar.

In Japan ist eine Zuchtform entwickelt worden Arctium edulis, deren Wurzeln als Gemüse verzehrt werden. Aufgrund ihres hohen Mineral- und Vitamingehaltes ist sie ein hervorragendes Nahrungsmittel. Doch auch unsere heimischen Wildpflanzen sind zum Verzehr geeignet. Die enthaltenen Phytosterine verringern als Konkurrenz die Aufnahme des Arteriosklerose-fördernden Cholesterins. Etwa 50% der Inhaltsstoffe der Wurzel macht das Asteraceae-typische Inulin aus, ein Polysacharid, das auch von Diabetikern vertragen wird.

Die Droge ist die gesamte Pflanze. Aufguß der getrockneten Pflanzenteile ist die normale Darreichungsform zur innerlichen Anwendung. Als Umschläge können die großen Blätter direkt genutzt werden.

Legenden

Wohl die klettende Eigenschaft dieser Pflanze, die übrigens auch der Erfindung des heute so weit verbreiten Klettverschlusses Pate stand, war die Ursache, daß sie im Mittelalter auf die Fußsohlen hochschwangerer Frauen plaziert,wurde um die Geburt zu erleichtern. Auf den Nabel gelegt sollte die Geburt verzögert und auf dem Kopf die Gebärmutter emporgezogen werden.

Damals bekannte medizinische Anwendungsgebiete entsprechen den heute angewendeten, die oben beschrieben sind.

Im Volksglauben befreite die Klette zu Johanni verräuchert, von Dämonen. Und ähnlich wie Knoblauch gegen Vampire helfen sollte, wurden Kletten an Viehställen aufgehängt, damit es nicht behext werden konnte. Auf dem Hausdach brachte die Klette Glück und hielt böse Menschen fern.

Bestimmungsmerkmale
  • bis 200 cm hohe zweijährige Staude
  • Stengel: aufrecht, beblättert, längsgefurcht, markig und teils rötlich angelaufen
  • Blätter: wechselständig, breit-herzförmig, ganzrandig, grundständige Blätter bis 50 cm, Unterseite grau-filzig, markiger, langer, eckiger, rinniger Stiel
  • Blüte: kugelige Köpfchen ( 3-5 cm breit), nur Röhrenblüten, Hüllblätter kleiner, an der Spitze hakig gekrümmt
  • Früchte: Achänen ohne Pappus, 6 - 8 mm lang, zweiseitig, Mittelrippe einer Seite kielartig verstärkt
  • Vorkommen: Ödland, Wege, Ufer. Bevorzugt amoniakalischen, basenreichen, humosen, lehmigen nicht zu trockenen Boden. Daher im Tiefland westlich der Weser weithin fehlend.
  • Besonderes Kennzeichen: Die Häkchen der Hüllblätter dienen der zoochoren Verbreitung, wenn sie an vorbeistreifenden Tieren haften bleiben. Dies klappt auch an menschlichen Kleidungsstücken!
  • Verwechslung: Die vier in Deutschland heimischen Klettenarten sind sich sehr ähnlich und untereinander kreuzbar. Daher kommt es verbreitet zu Bastardbildung, so daß es schwer fällt, die einzelnen Arten klar auseinander zu halten: Arctium tomentosum, A. minus, A. nemorosum.

Botanik

Klasse: Rosopsida

Unterklasse: Asteridae

Überordnung: Asteranae

Ordnung: Asterales

Familie: Asteraceae (Korbblütler)

 

Wirkstoffe

Etwa 40 - 50 % des Trockengewichtes wird bestritten durch das Kohlenhydrat Inulin, ein alpha - 1 - 2 - gebundenes Fructan, bei dessen Spaltung im wesentlichen Fructose entsteht und das bei Asteraceen einen familientypischen Reservestoff darstellt. Weiterhin sind ca 5% Glucose enthalten, sowie Schleime verschiedener Konstitution. Das Aroma geht zurück auf die in der Klette enthaltenen ätherische Öle, Gerbstoff und Harz. Die antibakterielle und fungizide Wirkung geht zurück auf Polyacetylenverbindungen. Interessant sind für die Ernährung ist der hohe Anteil an Rohprotein (12 %) und Mineralsubstanz (3-4%). Das i-Tüpfelchen bilden die Phytosterine, die bei der Aufnahme im Darm mit Cholesterin konkurrieren, aber für den Körper besser verträglich sind: Stigmasterin und Sitosterin. Actigenin aus den Achänen wird in den letzten Jahren genauer erforscht.

Empfehlung

Die Klette sollte in keinem Garten fehlen, denn sie ist nicht nur eine wichtige Heilpflanze und ein hervoragendes Nahrungsmittel (Geschmack artischockenähnlich), sondern auch ein beliebtes Kinderspielzeug und eine Nektarfundgrube für alle geflügelten Insekten.

zurück zur Übersicht

Stand: 13.12.2000